Es mag Leute geben, die sieben Jahre einen klinischen reinen Klosterboden mit einem Reisigbesen kehren, ebenso Leute, die wochenlang durch die Wüste laufen, alles um eine Art „Selbstfindung“ zu erreichen. Wo waren die denn alle, bevor sie sich selbst gefunden haben? Abgesehen von irgendwelchen Trips, bin ich der Meinung, dass man sein Leben in jeder Lage ändern kann. Manchmal mag es mehr oder weniger Gründe oder Anstöße dafür geben, aber dennoch mag jeder Tag das Potenzial zu haben der erste zu sein. Die Notwendigkeit einer Veränderung ist zweifelsohne nicht immer akut gegeben, doch gibt es nicht immer irgendwelche Dinge, man möge sie auch Laster nennen, die es nicht Wert sind den nächsten Morgen zu überleben? Ohne irgendwelche pseudophilosophischen Definitionsansätze aufzuwerfen, ist es doch so, dass es sich ohne diese Laster/Lasten wesendlich freier/leichter lebt.
Heute reichte vielleicht ein sonniger Tag, gepaart mit einem Überschwall an überflüssigen Endorphinen aus um zusammen mit dem Verlust meines Skizzenbuches und weitausschlimmer mit dem schleichend manifesten Verlust vieler alter Freunde dazu führen, dass der Wunsch Drang nach Veränderung in mir empor stieg. Okay, zugegeben, Veränderungen scheinen von außen betrachtet bereits einen großen Teil meines Lebens zu bestimmen. Neue Frisuren, neue Ideen, neue Prioritäten, der andauernde Versuch mich jeder Verbindlichkeit zu entziehen, und wenn es sich nur um die Planung für das nächste Wochenende dreht – alles Anzeichen für den ständigen Wandel. Doch ist dies nicht eher eine Art Zirkulation, statt ein Voranschreiten?
So habe ich heute in meinem Eifer in drei Stunden bein komplettes Wohnzimmer gecleant (scheiß Anglizismen), dass heißt ich habe alle Bilder abgehängt und alle Plakate und Poster abgenommen, bis sich das Blut unter meinen Fingernägeln dank der widerspenstigen Reiszwecken zu stauen scheinte. Zudem habe ich zwei Kartons gepackt, mit Erinnerungen, die nicht mehr allzu präsent seien sollten, mit Andenken an Menschen, die nicht mehr präsent seien werden, und mit Dingen die alles irgendwie blockieren. Ich bin kein Sektenkind und denek nicht, dass ich irgendwelchen Flüßen ihren lauf lassen sollte, keine Angst, aber kann es eine bessere Grundlage geben als eine Wand mit zehn leeren Nägeln? Eine Grundlage? Wofür? Na ja, muss ich zwangsläufig bei der Errichtung eines Fundamentes wissen, was ich darauf aufbaue? Hoffentlich nicht sonst mache ich wohl irgendwas falsch. Vielleicht wirkt der Raum hier jetzt etwas kalt, aber ich finde das irgendwie befreiend. Im Grunde sollte ich hier meine guten Vorsätze posten, einfach nur um den Druck der Erfüllung zu erhöhen, aber bei meinem aktuellen Enthusiasmus wird das wohl kein Problem darstellen.